Oldtimer: Mittel und Luxus der Fortbewegung. „Gnu-Antilope“ vor den Alpen

Ein vintagegrüner BMW aus dem Jahr 1938 ratterte mit lautem Motor durch das Salzkammergut, erklomm smaragdgrüne Hügel, fuhr durch gemütliche Städtchen und umrundete die atemberaubend schönen Seen Traunsee, Mondsee, Attersee und Wolfgangsee. Vor und hinter ihm rauschten weitere Veteranen vorbei, darunter auch Rennwagen – all diese Fahrzeuge werden romantisch als Oldtimer bezeichnet. Beim Überholen lachten und scherzten die Fahrer und Beifahrer eroeneinander zu. Der Wind spielte mit ihren Haaren und ließ die Schals flattern. Das wunderbare Maiwetter erfüllte die Luft. Die Natur war glücklich – und auch die Menschen schienen es zu sein.

Für mich sind Oldtimer und Ausfahrten seit einiger Zeit untrennbar mit kurvigen Serpentinen und der Aussicht auf immer neue, traumhafte Berg- und Meeresblicke an einem sonnigen Tag verbunden. Ich stelle mir die südliche französische Küste vor, wo ein alter, blassblauer Citroën oder blassbeiger Renault steile Haarnadelkurven fährt. Hinter dem Steuer sitzt ein eleganter Herr im weißen Hemd, neben ihm eine bezaubernde Dame mit breitkrempigem Hut. Doch genauso gut könnte auch eine Nonne am Steuer sitzen – und neben ihr Louis de Funès, wie im Film „Der Gendarm von Saint-Tropez“.

Hier kommen unwillkürlich Erinnerungen an die Schwarzmeerküste meiner Kindheit und Jugend auf, überlagert von den unvergänglichen Eindrücken der „Gnu-Antilope“-Autorallye aus Ilf und Petrows Roman „Das goldene Kalb“. Diese manchmal auftauchenden Bilder aus Film, Literatur und eigenen Reisen wurden an jenem Maitag Wirklichkeit – aber nur in Österreich.

Dieses Gebirgsland hat zwar kein Meer, doch ist es wunderschön, und das Salzkammergut in Oberösterreich verdient besondere Bewunderung. Zum ersten Mal hatte ich die Gelegenheit, diese Region vor vielen Jahren während des Narzissenfestes im Ausseerland-Salzkammergut kennenzulernen. Ich erinnere mich noch, wie mich damals die Feierlichkeiten und die Natur hier beeindruckten.

Es war Ende Mai, und so weit das Auge reichte, bedeckten Narzissen wie weißlich-gelbe Sonnen die Hänge, vermischt mit smaragdgrünem, noch ganz frischem Gras. Auf der Hauptstraße des Ortes, wo das Fest stattfand, fuhren Autos, geschmückt mit kreativen Figuren, die mit Narzissen umrankt waren.

An einem der Hänge bemerkte ich ein Schild mit einem Zitat von Franz Joseph I., der diese Gegend als „Paradies auf Erden“ bezeichnete. Übrigens lernte er seine zukünftige bezaubernde Gemahlin Sisi im nahegelegenen Bad Ischl kennen und verbrachte später oft den Sommer in der Kaiserlichen Villa dieses märchenhaften Städtchens mit seinen Salinenquellen.

Später war ich zwar hier, aber nicht oft, da das Salzkammergut weit von Wien entfernt liegt. Deshalb sog ich an dem Tag des Oldtimer-Rennens, wieder in dieser Gegend angekommen, gierig die Schönheiten des „österreichischen Paradieses“ auf.

Aus dem Fenster des Oldtimers bewunderte ich die Landschaften, obwohl man sich nur in seltenen Ruhepausen entspannen konnte. Bei einer Rallye besteht die Besatzung jedes Autos aus zwei Personen – dem Fahrer und dem Beifahrer. Der Fahrer sitzt am Steuer, während dem Beifahrer die Rolle des Navigators zufällt. Vor den Augen des Beifahrers liegt das Roadbook, in dem die gesamte Strecke des Autocross penibel beschrieben ist. Ein spezielles Rallye-Programm auf dem Telefon zählt die Kilometer. Der Beifahrer gibt dem Fahrer Anweisungen: „200 Meter geradeaus, links abbiegen, 400 Meter geradeaus, rechts abbiegen, 100 Meter geradeaus, Abbiegung…“ – so geht es die gesamten 300 bis 350 Kilometer der Strecke.

„Und welcher Russe liebt nicht das schnelle Fahren?“ — fragte einst ein großer Ukrainer (Nikolai Wassiljewitsch Gogol) auf Russisch, als er mit hoher Geschwindigkeit in die erste Reihe der Klassiker der russischen Literatur fuhr. „Und welcher moderne Österreicher liebt nicht das schnelle Fahren?“ — frage ich mich ebenfalls. Doch bei dieser Rallye geht es nicht um Geschwindigkeit.

Die Route der Rallye umfasst meist am Anfang Abschnitte, die in einer bestimmten Zeit zurückgelegt werden müssen. Dabei sieht man oft Autos der Konkurrenz, die zu früh angekommen sind und am Straßenrand warten.

Unterwegs halten die Fahrzeuge an speziellen Stationen an, wo die Besatzung verschiedene Aufgaben erfüllen muss. Hier liegt die Hauptverantwortung beim Fahrer, doch auch der Beifahrer hat manchmal eine Rolle, zum Beispiel als Zeitnehmer.

Die Rallye wird von allerlei Schabernack und Späßen belebt. Bei manchen Etappen verlangen die Richter beispielsweise, dass der Beifahrer aussteigt und Kegel oder Dartpfeile auf eine Zielscheibe wirft.

Während der Fahrt dachte ich immer wieder an die Rallye und die Zitate aus dem Roman „Das goldene Kalb“:

„Lasst uns eine Autorally machen…“

Und ich möchte hinzufügen: auf den malerischen österreichischen Straßen.

„Einige Minuten herrschte Schweigen unter den Passagieren, überwältigt von der Geschwindigkeit, dem heißen Benzingeruch und dem Pfeifen des Windes.“

Meine Erfahrung zeigte, dass sich der Fahrer wohler fühlt, während dem Beifahrer ziemlich schnell schwindlig wird – durch die Konzentration auf die Anweisungen im Roadbook während der Fahrt, die endlosen Kurven und auch die Abgase aus dem Tank.

Der Wind pfiff unerbittlich, und die Ledersitze knarrten in den scharfen Kurven.

„Merci für die Gastfreundschaft! Nach einer kleinen Stärkung setzen wir unsere weite Reise fort.“

An eigens dafür vorgesehenen Orten – Cafés, Restaurants und sogar in einem Schloss – machten wir Pausen und stärkten uns mit kühlen Getränken. Manche Beifahrer gönnten sich auch ein Prosecco.

Das Event wurde vom Lions Club organisiert, der viel Herzblut hineingesteckt hat – und alles war wunderbar.

„– Ihr solltet mal mit eigenem Geld fahren! – schimpfte der Fahrer leidenschaftlich.

Alle Teilnehmer bezahlen eine Startgebühr, ein großer Teil davon wird für wohltätige Zwecke gespendet. Die Organisatoren arbeiten ehrenamtlich.

„Als die Menschen das Auto erblickten, jubelten sie freundlich und winkten mit ihren Hüten.“

In Gmunden, am Hauptplatz mit Blick auf den märchenhaft schönen Traunsee, umgeben von Bergen, wartete eine Menge auf die Autos. Die Menschen begrüßten uns lautstark und fotografierten.

Zum Abschluss versammelten sich alle Teilnehmer im Ziel in Bad Hall, im Kurpark, wo Musiker und erfrischende Getränke auf die erschöpften und zufriedenen Fahrer warteten.

Die Jury zählte die Punkte aus und ehrte feierlich die Sieger in verschiedenen Kategorien:

Epoche 1 – Fahrzeuge von 1900 bis 1965;

Epoche 2 – 1966 bis 1975;

Epoche 3 – 1976 bis 1989.

Auch die Kostüme wurden bewertet.

Anschließend wurden die Oldtimer-Amateure zu einem Bankett eingeladen – schließlich hatten sie sich eine ordentliche Stärkung verdient.

Das Ziel unseres Teams war der Sieg – und wir erreichten ihn: den zweiten Platz in der Kategorie „Epoche 1“! Angesichts der Tatsache, dass 100 Autos am Rallye teilnahmen, freute uns dieses Ergebnis sehr.

Vintage-Autos – Oldtimer (vom englischen Begriff old-timer – „Alteingesessener“) – sind klassische Fahrzeuge, die vor mehr als 30 Jahren gebaut wurden und sich im Originalzustand oder restauriertem Zustand erhalten haben. Solche Autos symbolisieren vergangene Epochen und stehen sinnbildlich für die „guten alten Zeiten“.

Oldtimer ziehen Autoliebhaber durch ihr Retro-Design und technische Besonderheiten an, zum Beispiel den Verzicht auf moderne Elektronik. Mit jedem Jahr steigt der Wert gut restaurierter Oldtimer stetig an.

Retro-Fahrzeuge werden nach Baujahr klassifiziert:

Oldtimer – Fahrzeuge, die älter als 30 Jahre sind.

Youngtimer – Fahrzeuge im Alter von 20 bis 30 Jahren, die bereits als Sammlerstücke gelten. Besonders geschätzt wird die Einzigartigkeit eines einzelnen Exemplars.

Restomods (Restaurierung + Modifikation) – Oldtimer mit moderner „Technik“: Motor, Fahrwerk, Bremsen sind neu, das äußere Erscheinungsbild bleibt jedoch erhalten.

Oldtimer kann man zum Beispiel auf Auktionen erwerben. Die größten Auktionshäuser der Welt – Sotheby’s, Bonhams, Barrett-Jackson – bieten regelmäßig seltene und teure Modelle an.

Es gibt jedoch auch eine deutlich günstigere Möglichkeit, Besitzer eines Retro-Autos zu werden. Enthusiasten finden alte Karosserien in Garagen, auf Schrottplätzen oder bei Privatbesitzern und restaurieren sie von Hand.

Oldtimer-Besitzer schließen sich in Vereinen und Clubs zusammen. Sie nehmen an Ausstellungen, Paraden und Retro-Rallyes teil. Solche Veranstaltungen bringen Menschen zusammen und fördern die Gemeinschaft. Außerdem bieten sie die Gelegenheit, Kreativität zu zeigen, indem man sich passend zur Epoche des Autos kleidet. Österreicher gelten als leidenschaftliche Sammler und schenken Retro-Autos besondere Aufmerksamkeit.

Nach österreichischem Recht gilt ein Auto als Oldtimer, wenn es älter als 30 Jahre ist und als Historisches Fahrzeug registriert wurde. Solche Fahrzeuge erhalten spezielle Kennzeichen mit dem Buchstaben „H“, müssen technische Prüfungen bestehen und dürfen an Ausstellungen und Rallyes teilnehmen.

Das Gesetz schränkt die Nutzung von Oldtimern ein: maximal 120 Tage im Jahr. Der Besitzer ist verpflichtet, eine Art Fahrtenbuch zu führen.

In Österreich gibt es zahlreiche Retro-Clubs, die Oldtimer-Liebhaber nach Interessen und Marken zusammenbringen, zum Beispiel:

ÖMVV (Österreichischer Motor-Veteranen-Verband) – der größte Verband, sowie Klassik Club Austria, Oldtimerfreunde Wien, Steyr-Puch Freunde – Clubs nach Regionen und Modellen.

Zu den beliebtesten Veranstaltungen für Oldtimer-Fans in Österreich gehören die Vienna Classic Days, die Rallye Ennstal-Classic in der Steiermark und die Oldtimer Messe Tulln.

Ich hatte die Gelegenheit, mit dem Besitzer eines Oldtimers zu sprechen, der kürzlich vom Youngtimer-Status zum Oldtimer aufgestiegen ist – einem Zastava Yugo 65 EFI S aus dem Jahr 1989. Er erzählte stolz, dass der Yugo das erste Auto war, das vollständig in Jugoslawien von der Firma Zastava entwickelt wurde. Als er von seinem Auto erzählte, strahlte sein Gesicht:

„Ich habe ihn 2023 in Wien gekauft, als ich zufällig eine Anzeige auf einer Online-Plattform entdeckte. Das Auto war bereits als Oldtimer registriert, was mir die Sache sehr erleichtert hat. Wenn ich den Yugo aus Serbien importiert hätte, hätte ich lange Zertifizierungs- und Zulassungsverfahren durchlaufen müssen. Jetzt kostet er 9.500 Euro, aber für mich als Sammler hat er vor allem einen sentimentalen Wert.

Die ‚Zastava‘ war in Jugoslawien das, was ‚Lada‘ und ‚Moskwitsch‘ in der UdSSR oder Trabant und Wartburg in der DDR waren. Meine Version ist eine Exportausführung für Deutschland, Großbritannien und die Tschechoslowakei. Sie ist tiefer, mit einem schrägen Dach und einem sportlichen Lederlenkrad. So ein Yugo65 gibt es in ganz Österreich nur einmal!

Sammler betrachten ihre Oldtimer oft wie lebendige Wesen. Und für einen Liebhaber ist die Teilnahme an einem Rallye die Chance, zu spüren, wie der Geruch von Leder und Holz – sogar bei Frauen – mit Parfüm konkurrieren kann und wie die Geschichte plötzlich im Rückspiegel auftaucht. Außerdem ist es eine Gelegenheit, nette Menschen zu treffen und eine gute Zeit zu haben.“